Der körperliche Kompass: Wenn dein Körper für dich spricht.
Manchmal ist der Kopf so voller Zweifel, dass er den Ausgang aus dem Labyrinth nicht mehr findet. Du denkst über jedes Wort nach, drehst jede Situation dreimal um und suchst den Fehler verzweilt bei dir. In diesen Momenten kann dir dein Verstand oft nicht mehr sagen, was wahr ist und was nicht.
Aber da gibt es noch jemanden, der alles ganz genau miterlebt: dein Körper.
Während du versuchst, die Dinge im Kopf schönzureden oder rational zu erklären, schlägt dein Körper im Stillen längst Alarm. Er ist wie ein feiner, unbestechlicher Kompass. Wenn du verlernt hast, deiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, darfst du anfangen, deinem Körper zu glauben.
Kennst du diese Signale, die sich fast wie von selbst einschleichen?
Die plötzliche Blockade (Unter Freunden): In einer Freundschaft sieht man sich nicht jeden Tag. Deshalb kommt der Alarm hier oft in Schüben. Kennst du dieses unwillkürliche Zusammenziehen im Bauch, sobald der Name auf dem Handydisplay aufleuchtet? Oder diese plötzliche, bleierne Müdigkeit und Unlust kurz vor einem Treffen, obwohl man sich doch eigentlich auf einen „guten Freund“ freuen sollte? Dein Körper spürt die Anspannung schon, bevor das Treffen überhaupt begonnen hat.
Das Kloßgefühl und die Enge: Dieses Gefühl, in der Gegenwart der Person nicht mehr frei und tief durchatmen zu können. Als würde dir sprichwörtlich die Luft abgeschnürt oder als hättest du einen Kloß im Hals, der dich daran hindert, deine ehrliche Meinung auszusprechen.
Die totale Erschöpfung danach: Nach dem Kontakt fühlst du dich nicht gestärkt, sondern völlig ausgesaugt und leer. Es kostet unendlich viel Kraft, ständig auf der Hut zu sein und jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.
Wenn du ohnehin gerade eine schwere Zeit durchmachst
Besonders schmerzhaft wird es, wenn du dich ohnehin gerade verletzlich, sensibel oder seelisch labil fühlst. Vielleicht kämpfst du mit Ängsten, einer Depression oder steckst in einer Lebenskrise.
In dieser Situation wird deine Labilität oft zur perfekten Zielscheibe. Jedes Mal, wenn dir etwas auffällt oder dich eine Aussage verletzt, wird es auf deine psychische Verfassung geschoben. Du hörst Sätze wie: *„Du bist im Moment einfach total überfordert“*, *„Deine Wahrnehmung ist durch deine Krise gerade völlig verzerrt“* oder *„Du steigerst dich wegen deiner Probleme wieder in etwas rein“*.
Das ist ein unendlich schwerer Zustand. Du fängst an, nicht nur der anderen Person, sondern deiner gesamten eigenen Psyche zu misstrauen. Du denkst: *„Vielleicht haben sie recht, vielleicht bin ich einfach das Problem.“*
Aber fühl hier noch einmal ganz genau in dich hinein: Dass du labil oder traurig bist, bedeutet nicht, dass dein Bauchgefühl unrecht hat. Im Gegenteil. Oft ist deine Seele gerade deshalb so erschöpft, weil sie spürt, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, während man dir einredet, du seist einfach nur „krank“. Dein Körper lügt dich nicht an. Er zeigt dir genau, wo deine Grenzen überschritten werden – gerade dann, wenn du besonders Schutz brauchst.